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Schuljahr 2016/2017



In diesem Schuljahr beschäftigten wir uns im Fachbereich Sozialkunde vor allem mit aktuellen Problemlagen und neueren Entwicklungen der Pädagogik.


So stand unsere Schule E-Learning-Plattformen schon immer sehr aufgeschlossen gegenüber und hat bereits mehrere System verwendet. Schon im Schuljahr 2015/2016 hatte Martin Rosenlehner, der bei der Regierung der Oberpfalz für die medienpädagogische und informationstechnische Beratung der oberpfälzer beruflichen Schulen zuständig ist, den Stand von Mebis präsentiert. Die Software ermöglicht, Materialien Schülern und Lehrern effektiv zur Verfügung zu stellen bzw. innovative Lernmethoden einzusetzen.


Rosenlehner löste nun sein Versprechen ein, uns auch im Rahmen eines kleineren Arbeitskreises mit den praktischen Tücken des Programmpaketes vertraut zu machen. Mebis, das vom Softwarepaket „Moodle“ abgeleitet wurde, hat in der letzten Zeit doch viel an technischer und optischer Veränderung erfahren, so dass eine arbeits- und ergebnisorientierte Schulung uns den Zugang zu Mebis stark erleichterte.

MdEP Ismail Ertug: „Wozu ist die Europäische Union gut?"



Im Juni besuchte MdEP Ismail Ertug die Europa-Berufsschule Weiden. Das Thema seines Vortrags und der anschließenden Diskussion war ein sehr europäisches: „Wozu ist die Europäische Union gut?“


Der Europaparlamentarier wies zunächst sehr eindringlich darauf hin, dass die EU uns über 60 Jahre eine Friedensepoche gebracht hat, was angesichts der desaströsen kriegerischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit alles andere als selbstverständlich war und ist. Andere Regionen beneiden uns um die Europäische Union, sowohl wirtschaftlich als auch um die Demokratieprozesse, die Garant für eine sozial ausgeglichene Entwicklung sind. Dies lässt sich leicht im Vergleich mit anderen Regionen belegen, von den Schülern genannt wurde etwa die Situation in Nordkorea, der Türkei und China.


Leider kämpft die EU in den letzten Jahren auch mit etlichen Problemen, etwa dem Brexit, der Finanzkrise, der mangelnden Solidarität von Polen, Tschechien oder Ungarn im Umgang mit Asylsuchenden bzw. den niedrigen Zinsen. Diese Probleme müssen gelöst werden, in vielen Bereichen zeichnen sich Lösungen ab bzw. sind in Arbeit. Jedenfalls darf das Erreichte nicht gefährdet werden, schon gar nicht durch Populismus, der sich immer mehr Bahn bricht.


Zum Abschluss verlieh Ertug Europapässe an 25 Schüler der Berufsschule und vor allem der Berufsfachschule für Fremdsprachen, die im Rahmen des nun 30 Jahre bestehenden Erasmusprogramms der EU einen 3-wöchigen Auslandsaufenthalt in London, Paris, Madrid und Granada absolviert hatten, eine Sprachschule mit einer abschließenden Prüfung absolvierten sowie dort bei Gastfamilien wohnten, um ihre Fremdsprachenkenntnisse auch praktisch einzusetzen.

Neues Pflegestärkungsgesetz: Dozenten der AOK informieren



Im Juni 2016, im Rahmen der 2. Sozialkundekonferenz des Schuljahres, stellte uns Gertrud Späth von der AOK das neue Pflegestärkungsgesetz vor. Der Gesetzgeber führte neue Pflegegrade ein, die die Selbstständigkeit sowie die körperlichen, kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen der zu Pflegenden als Kriterium der Einstufung heranziehen. Der zu zahlende Eigenanteil ist dabei unabhängig von der Pflegestufe gleich hoch.


Herr Richard Neumann, ebenfalls von der AOK, erläuterte uns Hintergründe der Funktionsweise des Gesundheitsfond und die Refinanzierung der Krankenversicherung. Auch der Mutterschutz und das Mutterschaftsgeld wurden uns detailliert und fachkundig dargelegt.

Gift frisst Hirn. Crystal Meth. Konsumenten, Produzenten, Konsequenzen



Die Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltete im Oktober 2016 in der Aula unserer Europa-Berufsschule die Diskussionsveranstaltung „Gift frisst Hirn. Crystal Meth. Konsumenten, Produzenten, Konsequenzen“.

Zunächst begrüßte Schulleiter OStD Josef Weilhammer unsere zahlreichen Gäste. Die Veranstaltung war mit ca. 110 Besuchern gut angenommen worden. Er drückte seine Freude darüber aus, dass wir als Gastgeber für eine sowohl interessante als auch hochkarätig besetzte Diskussionsveranstaltung gewählt wurden. Als Schulleiter bewege ihn die Drogenproblematik an sich, da hiervon unsere Schule ebenfalls betroffen ist. Er betonte, dass er gespannt sei, Informationen aus erster Hand über die Droge Crystal Meth zu erhalten und wie wir präventiv verhindern können, dass unsere Schüler in die Drogensucht abgleiten, deshalb ihre Balance verlieren und als Konsequenz häufig die Ausbildung abbrechen.

 

Der Leiter des Regensburger Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung, Harald Zintl, der zudem als Moderator der Veranstaltung fungierte, bedankte sich zunächst, dass er an unserer Schule die Veranstaltung durchführen könne. Anschließend gab er uns einen kurzen Abriss über die Geschichte der Droge, die bereits 1893 als erstmals synthetisiertes „Methamphetamin“ auftauchte und in den 1930er Jahren als Aufputschmittel „Pervitin“ legal verkauft wurde. Traurige Berühmtheit erlangte die Droge als sogenannte „Panzerschokolade“, die - massenhaft an Wehrmachtssoldaten verteilt - Müdigkeit und Erschöpfungszustände bekämpfen und den Kampfeswillen stärken sollte.

 

Anschließend stellte er das Ergebnis einer nicht repräsentativen Befragung vor, die die Friedrich-Ebert-Stiftung an unterschiedlichen Schulen und in der Weidener Fußgängerzone durchgeführt hatte. Demnach wüssten ca. 95 % der Befragten, was Crystal Meth sei. 80 % schätzten die Droge als Problem in der Region ein. 87 % erklärten, dass es leicht sei, an das Amphetamin zu kommen. 47 % kannten jemanden, der schon Crystal konsumiert hatte. Angeboten wurde die Droge ganzen 22 %. 59 % wußten nicht, welche Einrichtung in der Region Aufklärung und Hilfe für Süchtige anbietet. Von denjenigen, die Einrichtungen kannten, war Need-No-Speed mit 67 % ein Begriff, 55 % hatten schon von der Suchtberatung der Caritas gehört, 64 % nannten Schulen als unterstützende Einrichtung.

 

Maik Baumgärtner, Journalist und Autor des Buches „Crystal Meth. Produzenten, Dealer, Ermittler“, wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass das Amphetamin in der Tschechoslowakei bereits seit dem Prager Frühling ein Problem sei. Seit 2006 steigerte sich die Menge des in Tschechien produzierten Amphetamins leider ständig. Gut ausgestattete Labore erreichten eine Produktion von 10 kg pro Nacht, jährlich ca. 10 bis 12 Tonnen. Bei Einkaufspreisen von 10 bis 15 € pro Gramm in Tschechien bis hin zu Verkaufspreisen in Berlin um die 150 € ergäben sich gigantische Gewinnspannen. So sei es nicht verwunderlich, dass Crystal Meth vor allem in der oberpfälzer und sächsischen Grenzregion zu Tschechien leicht erhältlich ist. Weit gefächert ist der Kreis der Konsumenten der Droge. Herr Baumgärtner umriss das Spektrum der Konsumenten als sehr breit gefächert, 13- bis 70-jährige Konsumenten bzw. Bundeswehrsoldaten, die wegen des posttraumatischen Belastungssyndroms zu Crystal griffen, hatte er bereits gesprochen.

 

Agnes Scharnetzky von der seit 1,5 Jahren bestehenden Präventionsstelle „Need-No-Speed“ freute sich über den schon hohen Bekanntheitsgrad ihrer Einrichtung. Diese versucht, Strategien für Eltern, Schüler und Lehrer zu vermitteln, damit es erst nicht zum Erstkonsum kommt. Vor allem aber das soziale Umfeld der Konsumierenden bzw. Süchtigen wurde lange Zeit vernachlässigt und mit ihren Problemen und Schmerzen alleine gelassen.

 

Thomas Bauer, der als Leiter der Dienststelle der Kriminalpolizei Weiden an der Veranstaltung teilnahm, lokalisierte für die Region mit der Grenzöffnung zu Tschechien einen starken Anstieg der Droge. 2008 sei ein vietnamesischer Zusammenschluss bezüglich des Vertriebs feststellbar gewesen. Zuerst nicht wahrgenommen erreichte die Thematik 2010/2011 die Medien, die die Substanz als „Monsterdroge“ überzeichneten, denn nach dem Erstkonsum ist zunächst noch nicht alles verloren. Jedoch muss bedacht werden, dass Pervitin der 1890er Jahre etwa die Wirkung von 3 Tassen Kaffee aufwies, während heute eine 30- bis 50-fache Konzentration erreicht wird. Thomas Bauer stellte ebenfalls die Wichtigkeit der Präventionsmaßnahmen heraus. Er betonte gleichzeitig, dass in diesem Sektor die Finanzausstattung verbessert werden müsse.

 

Uli Grötsch, ehemaliger Polizeibeamter und seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages, analysierte, dass die Fragestellung im Bundestag noch nicht die ganz große Aufmerksamkeit auf sich zieht bzw. als tschechische Grenzproblematik wahrgenommen wird. Die Mittel für Präventionsmaßnahmen und Förderung von Projekten im Kampf gegen Crystal wurden im Bundeshaushalt 2015 auf 1,5 Mio. € aufgestockt, was angesichts des Volumens des Gesamthaushaltes recht wenig ist. Darüber hinaus gilt es, eine europäische Harmonisierung zu erreichen, damit Drogen nicht in einem Land verboten, aber im anderen erlaubt sind. Er ist überzeugt, dass die Repression des Amphetamins bei gleichzeitiger stärkerer Präventionsarbeit im Vordergrund stehen muss.

 

In der nachfolgenden offenen Diskussion erkundigten sich Lehrkräfte, wie man Crystalkonsumenten erkennen kann. Bauer beschrieb umfangreiche Symptome, etwa Putzwahn, der Bevorzugung stark repitativer Betätigungen bei gleichzeitig reduzierter Zeitwahrnehmung, „Laberflash“, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, starke Stimmungsschwankungen, Unzuverlässigkeit etc. Dies hängt jedoch stark vom Konsummuster und dem Grad der Sucht ab.

Auf eine weitere Frage, wie die Droge eigentlich aussieht, beschrieb sie Baumgärtner und Bauer als kandiszuckerartig in den Farben hell bzw. blau. Vertriebswege in unserer Region liefen häufig über Bekannte, aber auch über Spielotheken, die mit 23 Stunden Öffnungszeit erreichbar sind. Als Einstiegsdosierungen wurden 0,1 g angegeben. Bei den Süchtigen fallen Alleinerziehende mit hohen Zahlen auf. In Tschechien hat die Polizei bei der Verfolgung der Dealer etwa auf Asiamärkten Probleme, da für jede polizeiliche Ermittlung ein Durchsuchungsbeschluss notwendig ist. In Deutschland können hingegen mit dem Instrument von „Gefahr in Verzug“ Beweise sichergestellt werden.

 

Scharnetzky betonte, dass Crystal zur Leistungsgesellschaft passt. Bei Überforderung hoffen die Konsumenten ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Hier bietet sich gleichzeitig ein Präventionsansatz an. Es gilt das Leben etwas ruhiger und besonnener anzugehen.

Die DGB-Jugend an der Europa-Berufsschule im Rahmen der DGB-Berufsschultour



Die DGB-Jugendsekretäre rund um Katja Ertl besuchten auch in diesem Schuljahr unsere Schule. Neben dem Informationsstand in unserer Pausenhalle informierten die Jugendsekretäre unsere Schüler in ca. 15 Klassen über Fragen des Arbeitsrechts. Reger Zulauf am Stand und interessierte Nachfragen zeugten davon, dass sie dabei Fragestellungen ansprachen, die manchen Azubi beschäftigen.

Warum kommen die Asylsuchenden zu uns? Warum müssen wir helfen?



Nach einem kleinen, einführenden Film, der die Situation in einem Flüchtlingslager zeigte, befand sich Andrè Biakowski, der Mitherausgeber des Buches “Zwischen Kommen und Bleiben”, zügig im Thema. Schnell stellten sich Fragen nach den Fluchtursachen, auch auf Wirtschaftsflüchtlinge kam die Sprache. Der Referent lud die Schüler sehr plastisch dazu ein, sich in die Rolle eines Asylsuchenden hineinzuversetzen und ihre Eindrücke zu schildern. Mit der Frage, wie wir auf so viel menschliches Leid reagieren sollten, entwickelte sich eine Diskussion über unsere eigene Wertestruktur. Dies verstärkte der Referent mit der Rechenaufgabe, wie viele Asylsuchende pro Einwohner Deutschland erreichten und welche ökonomischen Folgen zu erwarten wären.


Auskünfte über die Integration spielten so in der Folge der Veranstaltung eine gewichtige Rolle, nicht zuletzt der Spracherwerb stand im Zentrum der Fragen. Hier kam zur Sprache, dass den teilweise traumatisierten Ankömmlingen Zeit eingeräumt werden muss, um die Doppelbelastung der Traumaverarbeitung und des Spracherwerbs zu bewältigen.

Die europäische Geldpolitik in politisch brisanten Zeiten



Die 1. Sozialkundefachkonferenz des Schuljahres 2016/2017 beschäftigte ein sehr komplexes Thema. Sven Lilienthal, bei der Deutschen Bundesbank unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, beschrieb uns sehr engagiert und anhand zahlreicher Grafiken, wie das Eurosystem (EZB + nationale Notenbanken im Euroraum) in den letzten Jahren versuchte, mittels Niedrigzinspolitik und durch Anleiheaufkäufe die Inflationsrate in Richtung des Zielkorridors von 2 % zu bewegen. Auch unerwünschte Nebeneffekte der Geldpolitik, wie etwa Vermögensblasen und Probleme der Bürger, eine vernünftige Verzinsung ihres angelegten Kapitals für die Altersabsicherung zu erreichen, kamen dabei zur Sprache.


Lilienthal beantwortete in diesem Zusammenhang zahlreiche Fragen der Sozialkundelehrer. Er betonte, dass die zentrale Aufgabe des Eurosystems in der Gewährleistung der Preisstabilität liegt. Diese sei in einer sozialen Marktwirtschaft eine wichtige Voraussetzung für Wohlstand. Insbesondere die Politik sei gefordert, durch das Setzen von geeigneten Rahmenbedingungen dafür zu sorgen, dass sich in Krisenländern ebenfalls wieder ein stabiles Wirtschaftswachstum einstellt und damit im Euroraum die Zinsen ansteigen könnten. Denn Zinsen seien – so Lilienthal – immer auch ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Leistung.